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3. Schlosskonzet am 01. September 2016

Freunde unter sich

3. Schlosskonzert der Kreismusikschule Leer mit Musikern der Deutschen Kammerphilharmonie Bremen„Freunde unter sich“ – so lautete die Überschrift über dem jüngsten Programm der ausführenden vier Solisten der „Deutschen Kammerphilharmonie Bremen“. Wie so oft, gab und gibt es ja in jeder Epoche der Geistesgeschichte unter deren Protagonisten Querverbindungen, die zu gegenseitiger Inspiration genutzt werden und sich zu Freundschaften entwickeln können, eben auch unter Komponisten und ausübenden Musikern. Aktuell bezog sich das gehörte Programm in diesem Zusammenhang auf die künstlerische Wechselbeziehung und lebenslange Freundschaft zwischen Johannes Brahms und seinem Zeitgenossen Heinrich von Herzogenberg. Deren gehörte Kompositionen an diesem Abend untermauerten erneut, wie wichtig es ist, gewisse, mitunter im „Mainstream-Konzertbetrieb“ vernachlässigte Kapitel der Geschichte aufzuarbeiten und sie der Öffentlichkeit erneut ins Bewusstsein zu bringen.

Das Klavierquartett e-Moll von H. von Herzogenberg eröffnet dem Hörer eine absolut erstaunliche Welt voller eigenständiger Ideen, die den Verdacht „epigonaler“ Nähe zu Brahms schnell vergessen lassen. Was diesen Komponisten indes mit Brahms spürbar verbindet, ist der geistige Tiefgang und das hohe handwerkliche Können in der Verarbeitung seiner Ideen. Ebenso verbindend ist bei Beiden das Element der musikalischen Verarbeitung unerfüllter bzw. früh vollendeter Liebesbeziehungen. Das auftaktige Eingangsmotiv des ersten Satzes wirkt hier wie eine Frage an das Leben, die schließlich im vierten Satz zu einer persönlichen Antwort des Komponisten findet.

Johannes Brahms lässt sein Klavierquartett c-Moll mit einem breiten, oktavierten Motiv beginnen, das auch in dieser solistischen Besetzung, wie bei Brahms so häufig anzutreffen, aus seinen Ideen eines sinfonisches Gesamtkonzepts schöpft. Rasche Repetitionen im Klavierpart des zweiten Satzes symbolisieren innere Erregung; Brahms‘ geäußerte Reflexion des Goethe’schen „Werther“-Stoffes findet hier an vielen Stellen ihren musikalischen Ausdruck – in ekstatischen „Vorstößen in unbekannte Dimensionen“ wie auch in sehnsuchtsvollen lyrischen Melodie-Passagen, so z.B. in der Cello-Kantilene im dritten Satz.

Verfolgt man das wie immer hochsensible, engagierte und qualitätvolle Spiel dieser Solisten, ist zu bedenken, dass deren gesamtes Bremer Orchester aus lauter solchen hochqualifizierten Spezialisten besteht! Ihre hohe Disziplin individuell gestaltender Tongebung und zugleich bestechend präzisen Zusammenspiels gibt allen von ihnen gespielten Werken immer wieder eine einzigartige, bestechende Brillanz und tiefe Ausdrucksstärke!

Der herzliche Schluss-Applaus der dankbaren Zuhörer forderte die Zugabe einer Bearbeitung von Robert Schumanns „Nacht-Lied“ heraus.

Martin Gadow

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